Das Haus

 "Ostern 1912 bezog Dehmel das Haus, das in jeder Einzelheit Ausdruck seines Wesens geworden ist. Es war ihm geglückt, sich jeden Wunsch zu erfüllen, den er mit einem eigenen Heim verband." schrieb Ida Dehmel. Unter lebhafter Mitwirkung des Dichters sei es ganz nach seinen Vorstellungen gebaut worden, berichteten Zeitgenossen. Ermöglicht hat den Hausbau der Architekt Walther Baedeker (1880-1959), der Richard Dehmels Ideen in Konstruktionspläne umsetzte. Baedeker baute auf eigene Kosten, um den drohenden Wegzug des Dichters aus Blankenese zu verhindern. 1913 machten Freunde und Verehrer Richard Dehmel sein zunächst zur Miete bewohntes Haus anlässlich seines 50. Geburtstag zum Geschenk. Unter den geheim gehaltenen Gönnern waren zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten. Bis nach Mailand und Königsberg berichtete die Presse damals von diesem denkwürdigen Ereignis.

Im Kontext der Reformarchitektur, die Dehmel und Baedeker aufmerksam beobachteten, war ein eigenwilliges Gebäude enstanden: ein hoher, winkelförmiger Bau mit steilem Dach und hoher Terrasse, an dessen Südseite eine Mädchenskulptur des Wiener Bildhauers Richard Luksch die Blicke auf sich zieht. Anders als in Hamburg üblich bestimmt hier nicht Backstein, sondern ockerfarbener Putz das Erscheinungsbild des Hauses, das damit leicht an die Dichterhäuser in Weimar erinnert. Während es auf einem klassizistisch anmutenden Sockel ruht, wirken die hoch positionierten, über Eck angeordneten Fenster des Obergeschosses und die ineinander geschobenen Baukörper überraschend modern.

Die Einrichtung ihres neuen Zuhauses nahmen Ida und Richard Dehmel selbst in die Hand: Hier fanden die von Richard Dehmel bereits 1901 entworfenen und nun leicht modernisierten Möbel Platz. Inspiration fand er bei Künstlern wie Peter Behrens und Henry van de Velde. Kunstvolle Lampen, Tapeten von Emil Orlik und farbenfrohe Textilien verliehen den Räumen eine besondere Wirkung. Mit der Kunstsammlung, Erinnerungsstücken, dem Brief- und Werkarchiv und dem lebendigen Paar aus Richard Dehmels Dichtung "Zwei Menschen" im Mittelpunkt war ein Gesamtkunstwerk entstanden, das tiefen Eindruck bei Gästen hinterließ. Ein moderner Reformgarten umschloss das unter hohen Kiefern und Fichten errichtete Künstlerhaus. Schon bald wurde es zum überregionalen Anziehungspunkt für Schriftsteller, Maler und Komponisten aus dem In- und Ausland.

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