Richard Dehmel

Foto: Rudolph Dührkoop 1908, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, sammlungonline.mkg-hamburg.de

Richard Dehmel, ein Förstersohn aus der Mark Brandenburg, hatte seinen Brotberuf an den Nagel gehängt, um ganz Dichter zu sein. Als Künstler Ende des 19. Jahrhunderts nach neuen Wegen suchten, brach er mit Gewohntem. Seine Sprache, seine Rhythmen, seine Themen erregten die Gemüter. Die Gedichtbände "Erlösungen" und "Aber die Liebe" machten ihn im ganzen Land bekannt. In der Künstlerbohème des legendären Berliner Lokals "Zum Schwarzen Ferkel" fand Dehmel Inspiration und Zuhörer. Er durchzechte Nächte mit August Strindberg, Edvard Munch und Stanislaw Przybyszewki. Auch der Friedrichshagener Dichterkreis zog ihn an. Dehmel durchlebte die künstlerischen Umbrüche vom Naturalismus zur Moderne. Seine Gedichte erschienen in hohen Auflagen und fanden weite Verbreitung. Zusammen mit seiner ersten Frau Paula schuf er neuartige Kinderbücher wie "Fitzebutze" und "Der Buntscheck", er war als Rezitator und Kritiker gefragt, wurde Mitbegründer der Kunstzeitschrift PAN, irritierte aber weiter mit seinen sinnenfreudigen Dichtungen. Das Hauptwerk "Zwei Menschen", das er 1903 in Blankenese fertigstellte, zog weite Kreise. Bereits ab 1906 veröffentlichte Dehmel seine gesammelten Werke, die von Samuel Fischer verlegt wurden.

Als Dichter blieb Dehmel umstritten, doch inspirierte er zahllose Maler und Komponisten zu neuen Werken. Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner schufen Bildzyklen zu den "Verwandlungen der Venus" und "Zwei Menschen". Max Liebermann portraitierte Dehmel im Auftrag Alfred Lichtwarks für die Hamburger Kunsthalle. Viele Hundert Vertonungen sind entstanden, von Max Reger, Alma Mahler-Werfel, Richard Strauss, Conrad Ansorge, Jean Sibelius und anderen mehr. Zeitlos blieb Arnold Schönbergs berühmte Komposition "Verklärte Nacht" - die Liebesgeschichte Richard und Ida Dehmels.

In späteren Jahren widmete Richard Dehmel sich insbesondere der Förderung junger Dichter. Schon Thomas Mann und Hermann Hesse hatten um seinen Rat gebeten und fühlten sich von ihm zu eigenen Wegen ermutigt. Dehmel verbrachte viel Zeit mit Lektüre und Korrektur der ihm zugesandten Texte. Als Nachlassverwalter seines Freundes Detlev von Liliencron gab er dessen gesammelte Werke und eine Briefauswahl heraus. Er rief das "Kartell lyrischer Autoren" zum Schutz von Urheberrechten ins Leben und wurde prägender Mitbegründer des Kleist-Preises. 1914 ergriff auch Richard Dehmel die allgemeine Begeisterung für den Ersten Weltkrieg, in den er als Freiwilliger zog und nach zwei Jahren ernüchtert zurückkehrte. Dehmel starb 1920 im Alter von 56 Jahren in seinem Künstlerhaus in Blankenese.

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