Zwei Menschen

Es war ein aufsehenerregendes Künstlerpaar, das sich 1901 vor den Toren Hamburgs niederließ: der gefeierte Dichter Richard Dehmel (1863-1920) und seine kunstliebende Frau Ida (1870-1942). Beide waren in fortschrittlichen Kunstkreisen Europas zuhause und zählten zu den Wegbereitern der Moderne.

In Blankenese vollendete Richard Dehmel sein Hauptwerk "Zwei Menschen" - ein Roman in Versform, der zahlreiche Maler und Komponisten inspirierte. Die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit verwischten und in den Augen vieler lebten Ida und Richard Dehmel als Verkörperung der literarischen zwei Menschen. Mit vielen heute berühmten Zeitgenossen waren sie persönlich bekannt: Enge Freundschaft bestand zum Architekten und Formgeber Peter Behrens. Man verkehrte im Kreis um Harry Graf Kessler, Henry van de Velde und im Nietzsche-Archiv in Weimar. 

Interieur von 1901 in der Wohnung Parkstraße, Blankenese.

In Wien trafen die Dehmels auf Adolf Loos, Stefan Zweig und Gustav Mahler, sie besuchten Max Klinger und Max Liebermann in ihren Ateliers, wechselten Briefe mit Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, August Strindberg, Romain Rolland und Emile Veraeren. Walther Rathenau schätzte sie, Alfred Lichtwark legte Wert auf Richard Dehmels Kunsturteil. In Hamburg fanden die Dehmels in dem Dichter Detlev von Liliencron und den aus Wien an die Kunstgewerbeschule berufenen Künstlern wie Richard Luksch und Elena Luksch-Makowsky einen anregenden örtlichen Kreis. Ab 1912 lebten Richard und Ida Dehmel als Mittelpunkt eines selbst geschaffenen Gesamtkunstwerks aus Haus, Mobiliar, Kunstwerken, Archiv und Garten, das zum Treffpunkt für Künstler wurde. Doch schon 1920 starb der Dichter. Seine Witwe pflegte den Nachlass, bis ihr ab 1933 die Möglichkeiten dazu genommen wurden. Das Dehmelhaus, das vor allem dank der Tochter Vera Tügel und ihrem Sohn Tim Tügel noch heute besteht, erinnert an diese zwei Menschen - das literarische Liebespaar der Jahrhundertwende.

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