Ida Dehmel

Ida Coblenz, Winzertochter aus Bingen am Rhein, entdeckte früh ihre Liebe zur Kunst. Für den werdenden Dichter Stefan George war sie eine erste Gefährtin, aufstrebende Künstler und Schriftsteller fanden in ihr eine wohlmeinende Unterstützerin. Ihren Salon am Berliner Tiergarten machte sie zu einem Forum für neue Talente. Kunstförderung wurde zu Ida Dehmels Lebensbestimmung. An der Seite des bekannten Lyrikers Richard Dehmel, den sie 1901 in London heiratete und mit dem sie anschließend nach Blankenese zog, lebte sie die selbstgewählte Rolle der Künstlergattin und Muse. Immer wieder wurde sie zur Inspiration seiner Gedichte. Ihr Seelenbruder Alfred Mombert, ebenfalls Dichter, nannte sie "die besungenste Frau der neueren Zeit". Moderne Reformkleider, auffallender Schmuck, inszenzierte Posen - Ida Dehmel liebte den großen Auftritt. Achtmal ließ sie sich von der Malerin Julie Wolfthorn portraitieren. Ihren dichtenden und schreibenden Mann unterstützte sie in allem, was er tat.

Wie ihre Schwester Alice Bensheimer kämpfte Ida Dehmel in Frauenverbänden für das Wahlrecht und engagierte sich für wohltätige Zwecke. Ihre größte Leidenschaft aber gehörte der Kunst. Zusammen mit der Kunsthistorikerin Dr. Rosa Schapire gründete sie 1916 den "Frauenbund zur Förderung deutscher bildender Kunst", der zeitgenössische Künstler unterstützte und Museen moderne Werke schenkte. Ihre wohl folgenreichste Idee war die Gründung des bis heute existierenden Künstlerinnenverbandes GEDOK, der seit 1926 Künstlerinnen aller Sparten und Kunstförderer vereint. Ida Dehmel betrieb zudem eine gefragte Werkstatt für künstlerische Perlarbeiten und war Mitglied im Deutschen Werkbund.

Nach dem Tod Richard Dehmels 1920 bewahrte sie als Nachlasspflegerin das gemeinsame Künstlerhaus, das sie mit Bildern und Möbeln aus ihrer Binger Familie ergänzte. Sie bot Besichtigungen an, sorgte für neue Auflagen von Dehmels Werken, gab eine Briefauswahl heraus und führte das Archiv fort. Mit Dehmelfreunden gründete sie eine Stiftung und eine Dehmelgesellschaft. Das Dehmelhaus erwachte durch gemeinsam mit ihrer Nichte Marianne und deren Mann Dr. Robert Gärtner organisierte Veranstaltungen zu neuem Leben. Doch als Jüdin wurde Ida Dehmel ab 1933 nach und nach alle Möglichkeiten zu kunstfördernder Tätigkeit genommen. Vereinsamt nahm sie sich 1942 das Leben. Das Dehmelhaus, das Dehmel-Archiv und die GEDOK sind ihr Vermächtnis. Ihre Memoiren blieben ungeschrieben.

 

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